ALFIX Gerüste für eines der größten Bahnhofsprojekte Deutschlands

 

Dachsanierung am Dresdner Hauptbahnhof mit ALFIX MODUL MULTI 4.0

Nach rund drei Jahren intensiver Planung, technischer Begleitung und logistischer Koordination wurde ein anspruchsvolles Gerüstbauprojekt erfolgreich abgeschlossen: die umfangreichen Einrüstungen im Zuge der Dachsanierung am Dresdner Hauptbahnhof. In enger Kooperation mit dem Gerüstbauunternehmen Bindig Gerüstbau GmbH sowie der ausführenden Baufirma PFEIFER Structures GmbH wurde ein vielschichtiges Gerüstkonzept umgesetzt, das den laufenden Bahnbetrieb und den täglichen Publikumsverkehr jederzeit berücksichtigen musste.

Der Dresdner Hauptbahnhof zählt zu den bedeutendsten Verkehrsknotenpunkten Ostdeutschlands und ist insbesondere für seine markante Hallenkonstruktion bekannt. Im Zuge einer umfassenden Modernisierung zu Beginn der 2000er-Jahre erhielt das Gebäude eine eindrucksvolle Dachkonstruktion nach Entwürfen des britischen Architekten Norman Foster. Dabei überspannt eine transluzente Membran aus PTFE-beschichtetem Glasfasergewebe die historischen Stahlfachwerkträger aus dem 19. Jahrhundert. Dieses lichtdurchlässige Dach verbindet den denkmalgeschützten Bestand mit moderner Ingenieurarchitektur und prägt bis heute das Erscheinungsbild des Bahnhofs.

Gleichzeitig stellt die Konstruktion besondere Anforderungen an Wartung und Instandhaltung. Nach langjährigem Betrieb zeigten sich vor allem in den Entwässerungsbereichen der Membran altersbedingte Verschleißerscheinungen. Witterungseinflüsse, insbesondere strenge Winterperioden, hatten die Dachhaut zusätzlich beansprucht. Vor diesem Hintergrund wurde eine umfassende Erneuerung der Dachmembran eingeleitet, bei der die bestehenden Flächen schrittweise ersetzt und weiterentwickelt wurden. Neue konstruktive Details und zusätzliche Skylights sollen künftig sicherstellen, dass Schnee- und Eislasten besser abgeführt werden können und das Dach langfristig winterfest bleibt.

 

Technische Begleitung und regionale Zusammenarbeit

Von Abstimmungen vor Ort, der Objektaufnahme durch Aufmaß, statischer Planung über detaillierte 3D-Modellierungen bis hin zur kurzfristigen Materialdisposition; die technische Begleitung des Gerüstbauprojekts erfolgte während der gesamten Bauzeit durch die ALFIX GmbH. Die räumliche Nähe des Unternehmensstandortes ermöglichte eine besonders enge Betreuung des Projekts und schnelle Reaktionszeiten bei sich ändernden Anforderungen auf der Baustelle.

In enger Zusammenarbeit mit der Bindig Gerüstbau GmbH sowie der ausführenden Baufirma PFEIFER Structures GmbH wurden wirtschaftliche Lösungen entwickelt, um die Sanierungsarbeiten bei laufendem Bahnbetrieb zu ermöglichen.

Die Grundlage für die Gerüstplanung bildeten umfangreiche Pläne im IFC-Format, die insbesondere die komplexe Dachgeometrie der Bahnhofshalle zeigten. Sämtliche Aufstellflächen für die geplanten Gerüste in der Bahnhofshalle mussten jedoch vor Ort präzise aufgenommen und digitalisiert werden. Dabei galt es, zahlreiche vorhandene Elemente, wie bspw. Sitzbänke, Getränke- und Geldautomaten sowie Papierkörbe oder Anzeigetafeln, in der Planung zu berücksichtigen, da für die Sanierungsmaßnahmen möglichst keine bestehenden Einrichtungen demontiert werden sollten. Diese detailgenaue Bestandsaufnahme war entscheidend, um Kollisionen frühzeitig zu vermeiden und die Gerüstkonstruktionen exakt an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Eine besondere Herausforderung stellte die Organisation der Bauabläufe dar. Viele Gerüstabschnitte konnten ausschließlich nachts oder an Wochenenden montiert werden, da dann der Zugverkehr eingeschränkt oder eingestellt war. Gleichzeitig waren die Lagerflächen rund um den Bahnhof stark begrenzt. Materialanlieferungen mussten daher häufig zu ungewöhnlichen Zeiten erfolgen und präzise koordiniert werden. Trotz dieser komplexen Rahmenbedingungen gelang es allen Projektbeteiligten, die einzelnen Bauabschnitte termingerecht umzusetzen.

 
Vielseitige Gerüstlösungen für unterschiedliche Anforderungen

Die Gerüstkonstruktionen dienten primär der Dachsanierung, erfüllten jedoch gleichzeitig weitere Funktionen. Zum Einsatz kamen unter anderem: Arbeits- und Schutzgerüste für die Dacharbeiten, Traggerüste und Plattformen zur Materiallagerung, Fassadengerüste an den Außenseiten als Schutzgerüste und Absturzsicherung und Fluchttreppen und Zugangssysteme für Rettungswege und Baustellenerschließung.

Giebelgerüste und Treppentürme aus ALFIX MODUL MULTI 4.0 am Hauptbahnhof Dresden

Das hochbelastbare Modulgerüstsystem ALFIX MODUL MULTI 4.0 erwies sich aufgrund seiner hohen Flexibilität als besonders geeignet für die vielfältigen Anforderungen der Gerüstkonstruktionen am Dresdner Hauptbahnhof. Das System zeichnet sich durch eine hohe Tragfähigkeit, flexible Rastermaße sowie eine schnelle und sichere Montage aus. Grundlage der Konstruktion sind technisch ausgereifte, vorgefertigte Bauteile, die im Baukastensystem aus U- und Rohrriegeln sowie Vertikalstielen miteinander kombiniert werden. Dadurch wird bei geringer Bauteilgröße eine hohe Leistungsfähigkeit erreicht, was Transport, Handling und Montage auf der Baustelle deutlich erleichtert. Dank schraubfreier Verbindungen lässt sich das Gerüst einfach und wirtschaftlich montieren. Besonders vorteilhaft ist zudem die metrische Systematik mit Längen und Breiten im 0,50 Meter Raster sowie Modulscheiben im gleichen Abstand, die eine präzise Anpassung an unterschiedliche Bauformen ermöglichen. In Kombination mit vielfältigen Anschlussmöglichkeiten und systematisch kombinierbaren Feldweiten von 0,36 bis 3,07 m lassen sich selbst komplexe räumliche Strukturen wirtschaftlich umsetzen, ein entscheidender Vorteil bei Projekten mit anspruchsvoller Geometrie wie dem Dresdner Hauptbahnhof.

 

Trichtergerüste in der Bahnhofshalle

Eine der technisch aufwendigsten Aufgaben bestand im Einrüsten der sogenannten Trichterbereiche innerhalb der Bahnhofshalle. An den Stützkonstruktionen der Hallenbögen befindet sich in der Dachmembran jeweils ein trichterförmiger Entwässerungspunkt. Um diese Bereiche sanieren zu können, mussten sämtliche Säulen mit speziell konzipierten Trichtergerüsten eingerüstet werden.

Diverse Trichtergerüste aus ALFIX MODUL MULTI 4.0 in den Bahnhofshallen – jeweils separat und individuell geplant, um vorhandene Einbauten zu berücksichtigen

Dabei galt es, mehrere Randbedingungen zuverlässig zu berücksichtigen. So mussten die Gleise selbst als Aufstandsfläche in die Planung integriert und zugleich die vorgegebenen Sperrzeiten konsequent eingehalten werden. Gleichzeitig erforderten die stark begrenzten Aufstandsflächen ein präzise abgestimmtes und wirtschaftliches Einrüstkonzept. Ergänzend stellte die komplexe Stahlfachwerkstruktur der Hallenkonstruktion hohe Anforderungen an Planung und Ausführung, die durch eine passgenaue technische Lösung erfolgreich gemeistert wurden. Final wurde die erforderliche Gerüstkubatur durch spezielle Auskragungen unter Einsatz von MODUL Konsolen und MODUL Gitterträgern realisiert. Für jedes einzelne Trichtergerüst erfolgte im Vorfeld eine detaillierte 3D-Planung, um Materialbedarf, Durchdringungen sowie potenzielle Kollisionen frühzeitig zu identifizieren. Die Ausführung der Trichtergerüste in Lastklasse 3 mit einer zulässigen Flächenlast von 200 kg/m² gewährleistete dabei die erforderliche Tragfähigkeit und Sicherheit. Aufgrund der Arbeiten bei laufendem Bahnverkehr wurden sämtliche Konstruktionen vollflächig mit Schutznetzen ausgekleidet, um ein Höchstmaß an Sicherheit für Betrieb und Personal sicherzustellen.

 

Fußgängertunnel zum Schutz der Passanten

Auch außerhalb der Halle waren umfassende Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Im Zuge geplanter Kranarbeiten bestand insbesondere im Bereich der südlichen Bahnhofsseite ein erhöhtes Risiko durch herabfallende Lasten. Zum wirksamen Schutz der Passanten wurde daher ein ca. 100,0 m langer Fußgängertunnel errichtet. Die Ausführung basierte ebenfalls auf dem weiterentwickelten ALFIX MODUL MULTI 4.0 und wurde mit einer Durchgangshöhe von 2,30 m sowie einer komfortablen Breite von 2,50 m geplant und errichtet. Der Tunnel verlief parallel zum Bahnhofsgebäude und stellte jederzeit sichere Zugänge zur Bahnhofshalle sowie zu den angrenzenden Geschäften sicher. Auf diese Weise konnte der Publikumsverkehr auch während der Bauphase zuverlässig geführt und auf hohem Sicherheitsniveau geschützt werden.

Ca. 100,0 m langer Fußgängertunnel an Südseite des Dresdner Hauptbahnhofs

 

Giebelgerüste als Hängekonstruktionen

Ein weiterer vielschichtig geplanter Bauabschnitt betraf die Giebelbereiche an den Seitenhallen, besonders den Giebel der großen Mittelhalle. Hier wurden Gerüste als Hängegerüste konzipiert, die teilweise final an Stahlseilen beziehungsweise bereits in der Vormontage mittels Zurrgurten sicher an der Tragkonstruktion befestigt wurden. Um die definierten Hängepunkte mit den zugelassenen Lasten nicht zu überschreiten, mussten die Zugkräfte der Stahlseile mit speziellen Messmitteln gemessen und entsprechend eingestellt werden, um eine kontinuierliche Lastverteilung an der Stahlkonstruktion zu erhalten. Diese Gerüste dienten vor allem als Absturzsicherung für die Dacharbeiter. Die oberste Lage war begehbar und wurde ebenfalls in Lastklasse 3 (200 kg/m²) ausgeführt. Da alle Konstruktionen, insbesondere wegen des starken Publikumsverkehrs, vollständig mit Netzen geschlossen werden mussten, ergaben sich zusätzliche horizontale Lasten. Diese wurden gezielt am Fuß- und Kopfpunkt gebündelt und über senkrechte systemfreie Gitterträger kontrolliert in die Tragkonstruktion eingeleitet. Auf diese Weise konnten die empfindlichen Glasflächen der Hallenbögen wirksam geschützt und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards gewährleistet werden.

Giebelgerüste aus ALFIX MODUL MULTI 4.0 mit systemfreien Gitterträgern an den Seitenhallen des Hauptbahnhofs Dresden, ausgebildet in der Lastklasse 3 sowie an der Mittelhalle in der Ausführung als Hängegerüst

 

Lastplattform für Montagearbeiten

Für die Montage des mittleren großen Giebelgerüstes wurde ergänzend eine Lastplattform als Hilfsgerüst auf dem Dachbereich der Mittelhalle errichtet (ohne Abbildung). Eine besondere Herausforderung lag darin, einen Unterbau zu schaffen, der die zulässige Flächenlast von 200 kg/m² zuverlässig einhielt. Mit Hilfe des raumorientierten Modulgerüstsystems ALFIX MODUL MULTI 4.0 konnte eine großzügige Plattform realisiert werden, welche die beim Kranhub entstehenden konzentrierten Lasten gleichmäßig auf dem Dach verteilte. Zahlreiche systemfreie Gitterträger in Längs- und Querrichtung sowie zusätzliche Vertikalstiele mit großflächigen Unterpallungen sorgten dafür, dass hohe Punktlasten vermieden wurden. Erschwerend kam hinzu, dass bestehende Klima- und Lüftungsanlagen im Dachbereich überbaut werden mussten. Dank enger Abstimmung zwischen Gerüstbauunternehmen, Baugewerken und Prüfingenieuren konnte eine technisch ausgereifte wie auch wirtschaftlich effiziente Lösung umgesetzt werden.

 

Freistehende Treppentürme als Rettungswege

Für die Dacharbeiten mussten in zweckmäßigen Abständen sichere Flucht- und Rettungswege vorgesehen werden, um im Gefahrenfall eine schnelle Rettung sowie die Erreichbarkeit aller Arbeitsbereiche sicherzustellen. Hierfür wurden insgesamt sechs Treppentürme geplant und errichtet. Aufgrund der historischen Bausubstanz aus Sandstein und Stahl durfte die Konstruktion nur minimal am Gebäude angebunden werden, sodass einzelne Treppentürme teilweise freistehend ausgeführt wurden. Die oberste Ebene jedes Turms wurde zu einer Rettungsplattform erweitert, auf der für den Notfall jeweils eine Trage bereitgestellt wurde. Um unbefugten Zugang durch Passanten zu verhindern, wurden die Treppentürme bis zu einer Höhe von etwa 4,0 Metern geschlossen ausgeführt. Jeder Turm wurde individuell geplant, um örtliche Besonderheiten wie Durchgänge, Lieferzonen und Fußgängerströme optimal zu berücksichtigen und gleichzeitig einen sicheren und funktionalen Zugang zu gewährleisten.

Einer von sechs Treppentürmen zur Sicherstellung von Rettungswegen mit vorgehaltener Rettungstrage zur Ermöglichung der Notfallrettung im Baustellenbereich

 
Erfolgreicher Abschluss eines außergewöhnlichen Projekts

Mit dem Abschluss der Baumaßnahmen endet ein Projekt, das sowohl technisch als auch organisatorisch hohe Anforderungen stellte. Die Kombination aus präziser digitaler Planung, innovativer Gerüsttechnik und enger Zusammenarbeit aller Projektpartner machte es möglich, die Bauarbeiten an einem der wichtigsten Verkehrsbauwerke Sachsens unter laufendem Bahnbetrieb sicher umzusetzen. Das modulare Gerüstsystem ALFIX MODUL MULTI 4.0 zeigte dabei erneut seine Stärken: hohe Anpassungsfähigkeit, wirtschaftliche Montageabläufe und zuverlässige Tragfähigkeit auch bei umfangreichen Bauvorhaben.

Das ALFIX Technikteam unterstützt Ihre Kunden kompetent und praxisnah. Mit statischen Berechnungen, 3D-Visualisierungen sowie der Erstellung detaillierter Montagepläne inklusive zugehöriger Stücklisten wird bereits in der Planungsphase eine sichere und effiziente Umsetzung gewährleistet. Individuelle Anfragen zu Bauvorhaben können jederzeit über den Kontaktbereich auf der ALFIX Webseite eingereicht werden.