Auch ein Abriss bedarf einer genauen Planung
Der Rückbau von Hochhäusern stellt meist besondere Anforderungen an die Standsicherheit und Flexibilität der Einrüstung – insbesondere dann, wenn die zulässigen Standhöhen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung überschritten werden.
So auch beim Abriss eines Gebäudes auf dem Bildungs-Campus in Halle. Um den spezifischen Anforderungen und der Gebäudehöhe von 44,0 m gerecht zu werden, setzten die Verantwortlichen auf eine technisch fundierte Gerüstbaulösung und realisierten ein Arbeitsgerüst der Breitenklasse W06. Zum Einsatz kamen rund 8.500 m² des bewährten ALFIX 70 Fassadengerüstes in Kombination aus ALFIX Stellrahmen aus Stahl sowie ALFIX Stahlböden. Ergänzt wurde die Konstruktion durch Staubschutznetze, um den Anforderungen an Arbeitssicherheit und Emmissionsschutz während der Rückbauarbeiten optimal gerecht zu werden.

Da die Regelausführungen der Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (hier Z-8.1-862) Gerüstsysteme üblicherweise lediglich bis zu einer Standhöhe von 24,0 m betrachten, wurde für das 44,0 m hohe Bauvorhaben die technische Abteilung der ALFIX GmbH hinzugezogen. Gemeinsam mit den Gerüstbauspezialisten der Firma Gerüstbauunion GmbH aus Peißen wurde so eine der Baustelle und dem Vorhaben angepasste Gerüstkonstruktion geplant, welche sowohl die statischen Anforderungen erfüllte, aber auch die Abrissarbeiten performant ermöglichte.
Hierbei galt es primär die zulässigen Stiellasten bei den gewünschten Feldweiten zu untersuchen und daraus nötige, stabilisierende Maßnahmen abzuleiten.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Planung lag dabei auf der Ausarbeitung eines objektspezifischen Verankerungskonzeptes. Auf Grund der exponierten Gebäudehöhe und der damit einhergehenden Windlasten wurde das Ankerraster aus statisch notwendiger Sicht angepasst und die Anzahl der Verankerungen erhöht. Insbesondere im unteren Drittel der Gerüstkonstruktion waren infolge der großen Standhöhe zusätzlich hohe Lasten aus dem Eigengewicht des Gerüstes abzutragen. Entsprechend wurde das Ankerraster in diesem Bereich engmaschiger festgelegt und ausgeführt und das System durch zusätzliche Diagonalversteifungen weiter ertüchtigt.
Zur wirtschaftlichen und effizienten Umsetzung des Bauablaufs wurde das Gerüst so konzipiert, dass die jeweils oberen 4,0 m während des Abrissfortschritts temporär freistehend ausgeführt werden konnten. Dies erforderte eine präzise logistische Abstimmung mit dem Abrissunternehmen, um das Gerüst permanent und zeitnah dem Baufortschritt folgend zurückzubauen.
Um die Lasten von rund 30 kN je Stellrahmen auf den Vordächern der Gebäudeeingänge sicher aufzunehmen und abzutragen, kam eine Konstruktion aus dem System ALFIX MODUL MULTI 4.0 zum Einsatz. Das hochbelastbare und durch seine vielfältigen Anschlussmöglichkeiten herausragende Modulgerüstsystem ist in seiner Anwendung flexibel und anpassungsfähig und wurde in diesem Fall im Raster von 1,09 x 1,09 m unter die Decken der Eingangsbereiche als Traggerüst eingepasst.
Trotz des erheblichen Materialeinsatzes von rund 100 Tonnen auf der Gerüstfläche von ca. 8.500 m² konnte die Montage durch das hocheffiziente Team (drei Monteure) der Gerüstbauunion GmbH in kürzester Zeit realisiert werden. Anschließend wurde innerhalb einer weiteren Woche die vollständige Einhausung mit Staubschutznetzen ausgeführt, um angrenzende Bereiche wirksam vor Emissionen zu schützen.
Um die Materiallogistik und den Personentransport unabhängig von der Gebäudestruktur (fehlende Stromversorgung im Objekt, gesperrte Treppenhäuser) weiterhin sicherzustellen, wurden an den Giebelseiten ab einer Höhe von 5,0 m zwei Treppentürme installiert. Diese wurden als Baustellenzugangstreppe mit einer Lastannahme von 200 kg/m² mittels des modularen Gerüstsystems ALFIX MODUL MULTI 4.0 in Kombination mit ALBLITZ Alu Podesttreppen ausgeführt.
Ergänzend wurden mittig an den Längsseiten zwei Bauaufzüge mit Tragfähigkeiten von 500 kg bzw. 1.500 kg installiert. Als verbindende Elemente zwischen den Aufzügen, den jeweiligen Gerüstetagen sowie dem Gebäudeinneren wurden auf beiden Seiten des Gebäudes jeweils ein durchgehender Gerüstturm mit einer Grundfläche von ca. 15 m² aus ALFIX MODUL MULTI 4.0 errichtet. Der Höhenversatz zwischen den Geschossen wurde jeweils mit speziellen Treppenlösungen ausgeglichen und damit auch hier regelkonforme Zugänge geschaffen.
Das Projekt verdeutlicht, wie durch den gezielten Einsatz bewährter Gerüsttechnik in Kombination mit einer eng abgestimmten technischen Planung gemeinsam mit dem Hersteller auch unter anspruchsvollen Randbedingungen ein hohes Maß an Sicherheit und Effizienz erreicht werden kann.
Mit statischen Berechnungen, 3D-Visualisierungen (wie bspw. vom Projekt in Halle, siehe https://autode.sk/43CmUUA) sowie der Erstellung von detaillierten Montageplänen mit zugehörigen Stücklisten kann bereits in der Planungsphase eine sichere und effiziente Umsetzung der Kundenwünsche gewährleistet werden. Die ALFIX Projektabteilung erarbeitet Kundenprojekte bereits in der Planungsphase detailgetreu am PC und stellen diese Modelle dem Anwender für einen strukturierten und reibungslosen Ablauf zur Verfügung.
Ergänzend ermöglicht das Postleitzahlen-Tool durch einfache Eingabe der PLZ auf der Website der ALFIX GmbH einen schnellen und direkten Zugang zum passenden Ansprechpartner in der jeweiligen Region.